Marathon der Wohltätigkeit
Der Mann hat Kondition. Ist ein echter Sonnyboy und gibt sich so, wie man sich einen Amerikaner aus dem (Klischee-)Bilderbuch vorstellt. Eloquent. Charmant. Lässig. Anthony Kennedy-Shriver.
Spross einer der bekanntesten Familien der Welt. Actionheld Arnold Schwarzenegger ist sein Schwager. Am Donnerstag war er zu Gast in Johannes B. Kerners Talkshow, am Freitag war der Neffe des ermordeten US-Präsidenten John F. Kennedy ganz offiziell in Hamburg.
Sein Tag in der Stadt ähnelte einem Marathonlauf. Schon vor 10 Uhr fuhr der Amerikaner mit den irischen Wurzeln vor dem Rathaus vor, traf sich mit Ole von Beust zum Gespräch. Inhalt: Kennedy-Shrivers Wohltätigkeits-Engagement für seine Organisation "Best Buddies" (zu Deutsch "Beste Kumpel"). Ziel des 1989 gegründeten Netzwerks: Nichtbehinderte mit geistig behinderten Menschen zusammenzuführen. Sie in unsere Gesellschaft einzubinden. Brücken schlagen. "Mittlerweile erreichen wir mit "Best Buddies" 500 000 Menschen in 37 Ländern dieser Erde", sagte Kennedy-Shriver. Die deutsche Initiative existiert seit 2005.
Nach 10 Uhr: Der Mann mit dem smarten Lächeln und den frechen Locken trug sich ins Goldene Buch der Stadt ein. Draußen wartete schon die dunkle Audi-Limousine auf Kennedy-Shriver. Weiter geht's zum nächsten Termin.
13 Uhr: Ankunft im Internat Louisenlund, idyllisch an der "Großen Breite" des Ostseearms Schlei gelegen. Kennedy-Shriver ist kaum wiederzuerkennen. Den Anzug hat er gegen Jeans und T-Shirt ausgetauscht. Hier will er einen "Chapter" genannten Ableger seiner Organisation begrüßen. Im Speisesaal warteten seine neuen Mitstreiter schon auf ihn. Schüler von Louisenlund und Schüler der Schleswiger Peter-Härtling-Schule. Einer Schule für Behinderte. "Hallo, ich bin Anthony", begrüßte der Sozialunternehmer die Jugendlichen. Dann erklärte er, was er mit "Best Buddies" will. Unterstützt wird er von Ingeborg Prinzessin zu Schleswig-Holstein, der Vorsitzenden der Stiftung Louisenlund. ",Best Buddies' passt zu uns. Die Werte, die wir vermitteln, umfassen auch soziales Engagement", erklärte die Prinzessin. "Ich wollte Verantwortung übernehmen", sagt Sebastian über seinen Einsatz. "Das gibt es im Alltag nicht, sich um einen Behinderten zu kümmern." Jetzt will der 17-Jährige mit seinem Schützling bummeln oder ins Kino gehen.
Rückfahrt nach Hamburg. Vernissage an der Bleichenbrücke. Pop-Art-Künstler Romero Britto eröffnete eine Ausstellung mit seinen Werken. Zusammen mit Kerner stellte Kennedy-Shriver den "Friendship-Bären" vor. Eigens von Britto für "Best Buddies" entworfen.
Dann steht nur noch ein Termin an: schlafen.
080927_Hamburger-Abendblatt.pdf
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